Block B – Unter Arrest: Der neue Frauenknast im deutschen Fernsehen

Gesten war es nun endlich soweit. RTL schickt die neue Frauen­gefängnis­serie Block B – Unter Arrest ins Programm­rennen und will damit an die Qualität inter­nationaler Produktionen an­schließen. Die Briten können es (Bad Girls, ITV 1999–2006), die Australier können es (Wentworth, SoHo seit 2013) und die Amerikaner sowieso (Orange Is the New Black, Netflix seit 2013). Und auch das deutsche Fern­sehen kann mit Hinter Gittern – Der Frauen­knast (RTL 1997–2007) immerhin auf einen Versuch zurück­blicken. Block B – Unter Arrest hat aller­dings mit „Walter“ (Katy Karrenbauer), „Uschi König“ (Barbara Freier) und dem Ensemble aus Hinter Gittern nicht viel gemein – und das ist auch gut so. Aller­dings: Auch wenn Block B seiner unmittel­baren Vor­lage Wentworth zum Ver­wechseln ähnlich sieht, haben die beiden Serien seltsamer­weise auch nicht viel gemein.


RTL-Trailer Block B – Unter Arrest (© 2015 RTL Television GmbH)

 

Block B gibt sich sicht­lich mühe, Erzähl­weise, Ästhetik und sogar die Dialoge der australischen Version bis in die hinterste Ecke penibel zu kopieren. Auch der Vor­spann ist bis auf wenige An­passungen stark abge­kupfert und selbst der Cast scheint zum Teil vor allem nach Kriterien maxi­maler Ähnlich­keit zusammen­gestellt zu sein. Mit dem Ver­such, ein deutsches Wentworth zu produzieren, hat man letzt­lich genau das erreicht: eine Nach­erzählung. Und nach den ersten beiden Folgen kann man wohl sagen, eine richtig gute ist es bislang leider (noch) nicht geworden.

In ihrer Erzähl­form und Ästhetik kommt die RTL-Kopie der Australier viel zu künstlich, zu über­laden und unaus­geglichen daher. Die Rück­blenden, mit denen die back­stories etwa über die deutsche Bea (Gisa Zach) oder auch Janina Romano (Ulrike Röseberg) erzählt werden, sind in Ton und Bild­gestaltung grell und zu­weilen einfach störend, Kamera­perspek­tiven und -aus­schnitte werden bis­weilen extrem hektisch ein­gesetzt und in den gehäuften Zeit­lupen-Szenen tritt das ange­strengte acting einiger Schauspieler­innen ziemlich deut­lich zu Tage. Das Auf­einander­treffen der rivali­sierenden Gruppen um Rita (Katrin Sass) und Chris (Claudia Gaebel) beispiels­weise soll wahr­schein­lich als brutale Schlacht wirken, die an­schließend in eine Knast­revolte über­führt, die wiederum den Tod der Anstalts­leiterin Petra Weissner (Claudia Michelsen) zur Folge hat. In Zeit­lupe präsentiert kommen die aufge­rissenen Augen und verzogenen Münder der Kämpferinnen aller­dings ziemlich urkomisch daher, während die am Rande des Geschehens stehende Rita Plattner mit Sonnen­brille und einem um die Schultern geschwungenen Pullöverchen zu gewollt divaesque erscheint. Auch wenn Katrin Sass durchaus beacht­lich die fiese und angst­ein­flößende Bande­nchefin darzu­stellen vermag – nicht schlecht, wie sie Chris Wuttke mit einem ange­spitzten Löffel „unter die Haut“ geht –, kann sie mit der Aus­strahlung einer Kris McQuade dennoch nicht mithalten.

Dessen aber unge­achtet darf man abwarten, ob die weiteren Folgen nicht vielleicht doch noch besser werden. Ich bin geneigt, der Serie eine kleine Chance zu geben und mir auch die kommenden Episoden anzuschauen. Immerhin können Ulrike Röseberg und Gisa Zach hin und wieder durchaus über­zeugen. Wenn die eine sich seltener im „Berliner Sprech“ übt und die andere ihr Rehaugen-Blicken noch weiter reduziert, dann wäre das schon mal ein Anfang.